Die Tiroler Bauunternehmen sind weit mehr als ein Konjunkturmotor. Sie schaffen Wohnraum, sichern Arbeitsplätze, stärken die regionale Wertschöpfung und bauen die Infrastruktur von morgen. Damit sie diese Aufgaben auch in den kommenden Jahren erfüllen können, sind verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen unerlässlich. Die Branche ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zu einer nachhaltigen und lebenswerten Entwicklung zu leisten. Aber was braucht es dafür?

Fünf zentrale Anliegen der Tiroler Bauinnung
1. Leistbare Wohnbau- finanzierung ermöglichen
Zwar ist die KIM-Verordnung ausgelaufen, doch für viele Bauvorhaben bleibt die Finanzierung die größte Hürde. Ein entscheidender Hebel wäre ein einfacher Zugang zu leistbaren und zinsgünstigen Wohnbaukrediten. Attraktivere Finanzierungsbedingungen könnten dem Wohnbau dringend neue Impulse verleihen.
2. Sanierungsoffensive wieder starten
Rund 80 Prozent aller Gebäude in Tirol sind älter als 35 Jahre. Viele Häu- ser aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren entsprechen mit ih- ren überholten Grundrissen und ihrem hohen Energieverbrauch längst nicht mehr den heutigen Anforderungen. Um diesen Gebäudebestand zukunftsfit zu machen, braucht es die rasche Wiedereinführung der Sanierungsoffensive des Bundes. Eine verlässliche Förderlandschaft würde dringend notwendige Investitionen auslösen und die Modernisierung des Gebäudebestands deutlich beschleunigen.
Darüber hinaus braucht es neue Förderinstrumente. Die Steiermark macht vor, wie es funktionieren kann: Mit einer eigenen Förderung für so- genannte Assanierungen unterstützt sie Projekte, bei denen nicht mehr erhaltenswerte Gebäude durch einen teilweisen oder vollständigen Ersatzneubau ersetzt werden. Ein vergleichbares Modell könnte auch in Tirol dazu beitragen, veraltete Gebäude wirtschaftlich und klimafit zu
erneuern, wertvolle Flächen effizient zu nutzen und den Gebäudebestand langfristig an die Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen.
3. Bürokratie abbauen und Verfahren beschleunigen
Immer mehr Baukosten entstehen heute nicht auf der Baustelle, son- dern durch Bürokratie. Lange Genehmigungsverfahren, komplexe Vorschriften und stetig wachsende Dokumentationspflichten verzögern Projekte und treiben die Kosten in die Höhe. Schnellere Verfahren und praxistaugliche Regelungen könn- ten für mehr Planungs- und Investitionssicherheit sorgen.

4. Nachverdichtung und Revitalisierung erleichtern
Großes Potenzial liegt in der Nachverdichtung und der Revitalisierung bestehender Gebäude. Wer vorhandene Flächen intelligent nutzt und Be- standsgebäude zeitgemäß weiterentwickelt, schafft dringend benötigten Wohnraum, ohne zusätzliche Grünflächen zu verbauen. Gleichzeitig kann die bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden. Das spart Ressour- cen, reduziert Kosten und schont wert- volle Flächen. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es einfachere gesetzliche Rahmenbedingungen und mehr Flexibilität im Baurecht. Die aktuellen Vorschriften orientieren sich am Neubau und werden den Besonderheiten von Bestandsgebäuden nicht gerecht.
5. Öffentliche Bauprojekte vorziehen
Öffentliche Investitionen können wichtige Impulse setzen. Das Vorziehen geplanter Bau- und Infrastrukturprojekte sowie eine stärkere finanzielle Unterstützung der Gemeinden würden die regionale Bauwirtschaft stabilisieren und gleichzeitig dringend benötigte Investitionen in Straßen, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen oder die technische Infrastruktur beschleunigen.

Fazit: Die Chancen sind da
Es wäre Zeit zu handeln. Mit klaren Entscheidungen, investitionsfreund- lichen Rahmenbedingungen und einem gemeinsamen Blick nach vorne kann die Bauwirtschaft ihre volle Stärke entfalten – als Motor für Inno- vation, Wohlstand und eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft in Tirol.