Im monatlichen Podcast der Bauinnung Tirol „Auf Baukurs“ berichten Experten über aktuelle Themen.
Rechtsanwalt Dr. Günther Gast
Experte öffentliches Wirtschaftsrecht und Vergaberecht
Bringt die Vergaberechtsnovelle 2026 Vereinfachungen mit sich?

Das erste Bundesvergabegesetz aus dem Jahr 1993 umfasste 108 Paragraphen, das Bundesvergabegesetz 2018 bereits 352. Weniger komplex ist das Vergaberecht über die Jahre also nicht geworden. Die aktuelle Novelle ist ebenfalls sehr umfang- reich. Ein Großteil der Änderungen dient der Klarstellung und Korrektur bestehender Regelungen und verbessert die Qualität des Gesetzestextes. Auch wenn diese Anpassungen in der täglichen Praxis kaum spürbar sind, sie erhöhen die Rechtssicherheit. Gleichzeitig wurde der Handlungsspielraum bei öf- fentlichen Vergaben erweitert. Bei Direktvergaben verfügen öffentliche Auftraggeber mit höheren Schwellenwerten über mehr Flexibilität. Das ist eine nennenswerte Erleichterung!
Eduard Fröschl jun.
Bauunternehmer und Bundesvorsitzender der
Jungen Industrie
Wie schätzen Sie die aktuelle Lage im Hochbau ein?

Die Industrie steht weiterhin unter Druck, viele Unternehmen können notwendige Investitionen derzeit nur schwer um- setzen. Deutlich positiver entwickelt sich der Tourismus. Wir spüren eine steigende Nachfrage nach Umbauten, Sanierungen sowie Hotelerweiterungen und -neubauten. Auch die Bergbahnen zeigen wieder Investitionsbereitschaft. Im Wohn- bau präsentiert sich die Situation zweigeteilt: Der öffentliche Wohnbau läuft stabil. Im privaten Wohnbau zeigt sich vorsichtiger Optimismus. Viele Bauträger zögern noch, neue Projekte zu starten. Hoffnung macht die Entwicklung bei den Wohn- baukrediten – die Zahl der Finanzierungen zieht wieder an und könnte dem Markt zusätzliche Impulse geben.
Michael Munske
Erster Baudirektor und Leiter des Amtes für Bauordnung und Hochbau in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen
Gibt es auch kritische Stimmen zum Hamburg Standard?

Ja, die gibt es natürlich – wie überall. Dabei geht es beim Hamburg Standard keineswegs darum, Qualität, Komfort oder Sicherheit zu reduzieren. Ziel ist es vielmehr, den Beteiligten wieder mehr Entscheidungsfreiheit zu geben. Heute orientieren wir uns an einer Vielzahl von Normen und Vorschriften, ohne immer zu hinterfragen, ob jede einzelne Anforderung tatsächlich noch sinn- voll und notwendig ist. Genau hier braucht es einen gemeinsamen Diskurs darüber, was beim Bauen wirklich Mehrwert schafft und worauf verzichtet werden kann. Der Hamburg-Standard will Wege aufzeigen, wie wieder mehr Handlungsspielraum entstehen kann, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.