Tiroler Bauvorschau: Zwischen Zuversicht und Herausforderungen

27. April 2026

Drei schwierige Jahre liegen hinter der Tiroler Bauwirtschaft. Rezession, Unsicherheit und steigende Kosten haben die Branche stark unter Druck gesetzt. Nun zeigen die aktuellen Auswertungen von IMAD – dem Innsbrucker Institut für Marktforschung und Datenanalysen – erstmals wieder positive Signale.

Der Baukonjunkturindex (BBI) stieg von 3,1 auf 2,8 – ein Wert, der für mehr Zuversicht steht. Viele Betriebe blicken etwas optimistischer in die Zukunft.

Auch die aktuelle Geschäftslage in der Baubranche wird positiver wahrgenommen:

  • Über die Hälfte der Unternehmen bewertet ihre Situation als gut bzw. sehr gut
  • Etwa ein Drittel spricht von einer stabilen Lage
  • Nur ein kleinerer Teil sieht die Situation negativ
Quelle: IMAD- INSTITUT FÜR MARKTFORSCHUNG UND DATENANALYSEN

Die Prognosen für 2026 zeigen ein gemischtes Bild: 26 % der Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen, mehr als jedes zweite Unternehmen erwartet eine stabile Entwicklung, und 19 % gehen von einem Rückgang aus.

Ein vorsichtiges Plus im Baubudget

Im Rahmen der umfassenden Befragung öffentlicher Auftraggeber wurde das Tiroler Baubudget für 2025 analysiert und eine Prognose für 2026 erstellt. Das Ergebnis: Nach einem Gesamtvolumen von rund 2,47 Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 ein Budget von etwa 2,52 Milliarden Euro erwartet. Das entspricht einem moderaten Wachstum von +2,3 %. Geld fließt dabei hauptsächlich in Sanierungsprojekte, in den Katastrophenschutz sowie in große Projekte wie den Lermooser Tunnel.

„Das Land Tirol soll ein Impulsgeber für die Baubranche sein, wir halten das Investitions-Niveau bewusst hoch.“

Landesrat Mario Gerber, zuständig für Wirtschaft, Tourismus und Digitalisierung

Bei den klassisch bauwirksamen Leistungen – also jenen Bauleistungen, die direkt an Bauunternehmen vergeben werden – zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier wird ein Anstieg von 1,875 Milliarden Euro auf rund 1,94 Milliarden Euro prognostiziert, was einem Plus von 3,4 % entspricht.

„Erstmals gibt es wieder leichte Steigerungen im Baubudget. Aber wir dürfen uns nichts vormachen. Wir liegen weiterhin unter dem Niveau von 2021.“

Patrick Weber, Landesinnungsmeister der Bauinnung Tirol

Unterschiedliche Entwicklungen je nach Bereich

Die Kosten sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Löhne, Material, Energie – alles ist teurer geworden. Und auch wenn sich manche Kennzahlen stabilisieren, liegt die tatsächliche Bauleistung noch immer deutlich unter dem Niveau früherer Jahre.

Quelle: IMAD- INSTITUT FÜR MARKTFORSCHUNG UND DATENANALYSEN

Der Wohnbau bleibt das Sorgenkind

Während im Tiefbau neue Dynamik entsteht, bleibt der Hochbau unter Druck. Besonders im Wohnbau spitzt sich die Situation weiter zu. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang von 2,3 Prozent erwartet. Es werden schlicht zu wenige Wohnungen errichtet. Der Bedarf kann nicht gedeckt werden. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Für viele Menschen bedeutet das: steigende Preise, weniger verfügbare Wohnungen und wachsende Unsicherheit bei der eigenen Lebensplanung.

Sanierung als Chance – aber auch noch zu schwach

Die Sanierung entwickelt sich mit einem Zuwachs von 7,3 Prozent zwar positiv, bleibt aber hinter den Anforderungen zurück. Wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Gebäude in Tirol älter als 35 Jahre ist, wird klar, welches Potenzial – und welche Verantwortung – hier liegt. Gerade im Hinblick auf Klimaziele und Energieeffizienz wäre jetzt der Moment, groß zu denken.

„Um die Klimaziele zu erreichen, müsste sich die Sanierungsrate mindestens verdreifachen. Hier braucht es dringend eine neue Förderoffensive.“

Patrick Weber, Landesinnungsmeister der Bauinnung Tirol

Fachkräftemangel als langfristige Herausforderung

Zu wenige junge Menschen entscheiden sich nach wie vor für eine Lehre am Bau. Und das, obwohl die Branche genau das bietet, wonach viele suchen: Sicherheit, Perspektive und die Möglichkeit, etwas Bleibendes zu schaffen. Gerade in einer Zeit, in der sich durch Digitalisierung und KI vieles verändert, gewinnt genau das an Wert. Die Bauwirtschaft könnte ein stabiler Anker sein – wenn es gelingt, diese beruflichen Chancen sichtbarer zu machen.

Was braucht die Baubranche jetzt?

Um die Bauwirtschaft nachhaltig zu stärken und zukunftsfit zu machen, werden 5 konkrete Maßnahmen gefordert:

  • Einfacher Zugang zu leistbarer, zinsgünstiger Wohnbaufinanzierung
  • Wiedereinführung der Sanierungsoffensive durch den Bund
  • Weniger Bürokratie und schnellere Verfahren
  • Erleichterungen bei Nachverdichtung und Revitalisierung von Bestandsgebäuden
  • Vorziehen öffentlicher Bauprojekte und stärkere Unterstützung der Gemeinden bei anstehende Bau- und Infrastrukturprojekten

Fazit: Ein leises Comeback – aber noch keine Entwarnung

Die Tiroler Bauwirtschaft zeigt im Jahr 2026 erste Anzeichen einer Erholung. Insgesamt hat sich die Situation im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren spürbar verbessert.

Bauen ist im Verhältnis zu den Einkommen zuletzt wieder leistbarer geworden. Die Budgets steigen leicht, die Stimmung hellt sich auf und viele Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft.

Zu beachten ist jedoch, dass die Befragung vor den Auswirkungen der Energiekrise im Zuge des Iran-Konflikts durchgeführt wurde. Diese geopolitischen Entwicklungen könnten erneut zu steigenden Kosten führen.

Die Bauwirtschaft ist ein zentraler Pfeiler der Tiroler Wirtschaft – für Wachstum, Beschäftigung und leistbaren Wohnraum. Die Richtung stimmt, doch die Herausforderungen sind noch nicht überwunden. Um eine nachhaltige Erholung zu sichern, braucht es jetzt klare politische Entscheidungen und gezielte Maßnahmen.

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