Generell kann bei der klassischen Baulehre zwischen fünf Berufsbildern gewählt werden. Diese sind Tiefbauer, Hochbauer, Betonbauer, bautechnische Assistenz und bautechnischer Zeichner. Fällt die Entscheidung zwischen Hoch- und Tiefbau schwer, so lohnt es sich, vor dem Start genauer hinzuschauen, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen. Die wesentlichsten Unterschiede liegen in ihren Aufgaben und ihrem Arbeitsumfeld.
Hochbau: Alles, was nach oben wächst
Hochbauer errichten mit Mörtel, Ziegeln, Klinkern, Stahl und Beton die Welt von morgen – vom Wohnhaus über Gewerbebauten bis zu größeren Bauprojekten. Dabei steht sowohl die Planung als auch die Konstruktion im Mittelpunkt des Hochbauspezialisten. Ebenso ist er für die Koordination der Bauabläufe zuständig. Wer sich für Hochbau entscheidet, arbeitet besonders stark mit klassischem Baumaterial, braucht handwerkliches Geschick und sollte Freude daran haben, Bauwerke Schritt für Schritt entstehen zu sehen. Der Reiz am Hochbau liegt für viele darin, dass das Ergebnis der eigenen Arbeit unmittelbar sichtbar wird. Mauern wachsen, Gebäude nehmen Form an, und am Ende steht etwas, das für viele Jahre genutzt wird.

Tiefbau: Infrastruktur, ohne die nichts funktioniert
Im Tiefbau geht es um jene Bauwerke, die für unser tägliches Leben unverzichtbar sind, auch wenn man sie oft weniger bewusst wahrnimmt. Straßen-, Brücken-, Tunnel- und Kanalbau gehören ebenso dazu wie Vermessungsarbeiten, Baustelleneinrichtung, Erdarbeiten und Fundamentbau. Auch das Arbeiten mit schweren Geräten steht an der Tagesordnung des Tiefbauers. Tiefbauer sorgen dafür, dass Infrastruktur funktioniert. Wer sich für den Tiefbau interessiert, sollte gerne im Freien arbeiten, technisches Verständnis mitbringen und Freude an großen, oft sehr abwechslungsreichen Baustellen haben. Anders als im Hochbau stehen hier weniger klassische Hochbauten im Mittelpunkt, sondern vielmehr das, was darunter, daneben oder dazwischen liegt.

Was passt besser zu mir?
Die Entscheidung zwischen Hochbau und Tiefbau ist also keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von persönlichen Interessen. Hochbau ist ideal für alle, die sich für Gestaltung und Design interessieren, gerne mit klassischem Mauerwerk arbeiten und Bauwerke sichtbar wachsen sehen möchten. Tiefbau passt besonders gut zu jenen, die sich für Infrastruktur, Vermessung, Maschinen und großflächige Baustellen begeistern. Beide Wege bieten eine solide Fachausbildung, sichere Jobs und sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten.
„Während der Hochbau durch Kreativität und sichtbare Bauwerke überzeugt, bietet der Tiefbau eine stabile Perspektive durch die Bedeutung der Infrastruktur. Beide Bereiche sind zukunftssicher und eröffnen vielfältige Karrierewege.“
Tiroler Lehrlingsexpertin Mag.a Verena Fischer
Doppellehre: Wenn beides spannend klingt
Wer sich nicht nur auf einen Bereich festlegen will, kann in der Baulehre auch eine Doppellehre machen. Diese dauert vier Jahre und kombiniert zwei Berufe miteinander. Häufige Kombinationen sind dabei Hochbau und Betonbau, Tiefbau und Betonbau sowie Hochbau und Tiefbau. Nach vier Jahren wird eine Lehrabschlussprüfung in zwei Berufen abgelegt. Das schafft zusätzliche Flexibilität und macht den weiteren Berufsweg noch breiter.

Trial statt dual mit der Österreichischen Baulehre
Ein großer Vorteil der Baulehre in Österreich ist ihr triales Ausbildungssystem. Lehrlinge lernen nicht nur im Betrieb und in der Berufsschule, sondern zusätzlich auch in der BAUAkademie. Dort vertiefen sie ihre Fertigkeiten in Hochbau, Betonbau und Tiefbau in intensiven Praxisphasen. Ergänzt wird das Ganze durch die E-Baulehre, also digitale Lernangebote, die die Ausbildung zusätzlich unterstützen. Dieses Zusammenspiel aus Lehrbetrieb, Berufsschule und BAUAkademie sorgt dafür, dass die Ausbildung besonders praxisnah und gleichzeitig fachlich fundiert ist. Für Lehrlinge bedeutet das: Sie lernen ihren Beruf direkt auf der Baustelle, verstehen aber auch die theoretischen Hintergründe und trainieren wichtige Handgriffe zusätzlich in einem professionellen Ausbildungsumfeld.
Chancenreiche Ausbildung
Fakt ist: Beide Ausbildungswege – ob Hochbau oder Tiefbau – sind starke Einstiege in eine Branche mit großen Zukunftschancen. Sie bieten gleichermaßen Abwechslung in Praxis und Theorie, gute Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten. Wer sich noch unsicher ist, sollte die Chance nutzen, bei Schnuppertagen, Baustellenbesuchen oder Gesprächen mit Ausbildnern ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Bereich besser zu den eigenen Talenten passt. Denn am Ende zählt vor allem, dass die Entscheidung zur eigenen Persönlichkeit passt, dann wird aus einer Lehre schnell ein echter Karriereweg.

Weitere Informationen
Mag.a Verena Fischer
Lehrlingsexpertin
Tel.: 0512/578624-16
verena.fischer@tirol.bauakademie.at
www.tirol.bauakademie.at
www.baudeinezukunft.at